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NEWS Freitag, 24.03.2012

Irgendwas geht immer besser zu machen

von Uwe Schulz, Sächsische Zeitung, 24.03.2012

Jürgen Schwausch mag für sich den Begriff Erfinder nicht, doch Arbeit bedeutet für ihn Tüfteln, Verbessern und Optimieren.

Der Arbeitsplatz von Jürgen Schwausch geht von außen als Garage durch. Labor nennen sie es bei der Yados GmbH. Olaf Besser, Leiter Einkauf, witzelt, dass es schon ein bisschen wie bei Meister Röhricht im Zeichentrick-Klassiker „Werner Beinhart“ ist. Jürgen Schwausch ist zwar auch Raucher, bevorzugt statt Zigarre aber Zigarillo. Er hat auch deutlich mehr Haare auf dem Kopf als der Zeichentrick-Meister. Und in seiner Werkstatt ist es auffallend ordentlich. Natürlich hat da alles seinen Platz – von der Wasserpumpenzange bis zum Laptop. Ansonsten ist es dem 52-Jährigen ziemlich egal, wie man zu seinem Reich sagt. Er mag für sich nur eine Bezeichnung nicht, nämlich Erfinder.

Passt auch wirklich nicht. Zwar hat der Tüftler tatsächlich schon einiges erfunden und ist an Patenten beteiligt. Doch das bringt die Arbeit einerseits so mit sich, andererseits weiß er, dass unzählige Patente zwar angemeldet, letztlich aber nie genutzt werden. Ganz offiziell heißt Schwauschs Berufsbezeichnung Produktmanager.

YADOS Produktentwickler Jürgen Schwausch

Das kann man nicht an der Berufsschule lernen, das muss man sich aneignen. Jürgen Schwausch hat sich das Tüfteln zu DDR-Zeiten angeeignet. Heizungsbauer hat er da gelernt. War sein Wunschberuf. Gelernt und gearbeitet hat er beim Kreisbaubetrieb Hoyerswerda. Dann kam die Wende, und Schwausch war bei der neu gegründeten Firma Pewo von Anfang an mit dabei. Bis er zum dänischen Wärme- und Kältetechnikkonzern Danfoss wechselte und in halb Europa unterwegs war, vor allem dort, wo im Winter ordentlich geheizt werden muss. Seit drei Jahren hat er seinen Hauptarbeitsplatz wieder in der Heimat bei Yados. Die sind zwar kleiner als Danfoss, aber Schwausch hat mehr Platz zum Tüfteln, nicht unbedingt räumlich, doch von den Gegebenheiten her. Mittelständische Unternehmen sind nun mal von kurzen Entscheidungswegen geprägt.

Jürgen Schwausch, der in der Elsterheide wohnt, hat einen sehr wachen Verstand. Grundsätzlich traut er keinem Werbeversprechen, keinem Prospekt, jedenfalls nicht, wenn es um Teile, Bauelemente oder Geräte geht, die in seiner Firma in einer der komplexen Heizungsanlagen Verwendung finden sollen. Leistungsangaben der Hersteller prüft er prinzipiell nach und hat da neben Bestätigung auch schon die tollsten Abweichungen entdeckt. „Unsere Kunden wollen Qualität haben“, sagt Olaf Besser. Und wenn sie bei Yados eine Fernwärmestation kaufen, dann wollen sie auch ihre Ruhe und sich nicht mit Kinderkrankheiten herumärgern. Allerdings kann man Kunden schlecht nach der Maxime „Qualität ist gleich teuer“ an sich binden. Und so werden nicht nur neue Anlagen erfunden, sondern man schaut bei Yados immer wieder, wie man etwas günstiger herstellen kann, ohne schlechtere Qualität zu liefern. „Wir hatten eine Anlage, bei der waren 40 bis 50 Schweißnähte zu ziehen. Wir haben das dann auf 15 Nähte optimiert“, sagt Jürgen Schwausch. Das spart die Hälfte der Zeit. Und nicht jede Schweißnaht müssen die hochqualifizierten Yados-Schweißer selbst ziehen. Manches kann man auch von Zulieferern beziehen. Jürgen Schwausch legt zwei Bauteile auf den Tisch, die auf den ersten Blick gleich aussehen. Eines ist aber aus verschiedenen Teilen geschweißt, das andere ohne Schweißnaht kalt geformt und daher bedeutend günstiger zu haben, ohne dass die Qualität sich verschlechtert hätte. Klarer Fall, welches Teil jetzt bei Yados verwendet wird.

Solche Dinge sind es, die den Produktmanager reizen. Irgendwo gibt es immer etwas zu optimieren. Schon nächste Woche ist Jürgen Schwausch wieder auf der Suche nach intelligenten Lösungen für seine Anlagen. Diesmal auf der weltgrößten Messe für Heiztechnik in Mailand. Yados’ Denkweise ist ungefähr mit der von großen Autoherstellern zu vergleichen: Verschiedene Modelle basieren auf der gleichen Plattform und bestehen zu einem gewissen Teil aus den gleichen Bauelementen. Das spart Entwicklungskosten. Deshalb muss alles flexibel sein, so flexibel wie die Fernwärmeanlagen der Hoyerswerdaer Firma selbst. Denn nicht nur innerhalb Europas unterscheiden sich beispielsweise die zur Verfügung stehenden Drücke und Temperaturen, das ist schon in Deutschland nicht einheitlich zu haben.

Und Jürgen Schwausch kennt nicht nur die Heizungen Europas, sondern weiß auch, wie man die Techniker potenzieller Kunden überzeugt. Da geht es nicht um den Häuslebauer, sondern um Stadtwerke, Großvermieter und Investoren, die kostengünstig, aber stabil fünfzig oder hundert Haushalte mit Fernwärme versorgen wollen. „Die wollen keinen Ärger mit ihren Mietern, weil das Wasser beim Duschen mal kalt und mal heiß ist“, weiß Schwausch. Daher kann man bei ihm im Labor die Yados-Heizungsanlagen live vorführen. Der Produktmanager hat sein Netbook angestöpselt, das in Echtzeit die einzelnen Parameter der Anlage anzeigt. Dann dreht er in einer Ecke den Wasserhahn auf und lässt durch einen großen Duschkopf das wohltemperierte Wasser in den Abfluss brausen. „Das ändert sich auch nach fünf Minuten nicht“, lächelt Jürgen Schwausch. Das überzeugt dann eigentlich auch immer die Techniker, was schwierig genug ist. Denn genau dafür gibt es einfach kein Patent.

Quelle/Foto: Uwe Schulz , Sächsische Zeitung
 

 
 
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